
Zur Geschichte
Je weiter man in der Geschichte zurückschaut, desto spärlicher werden die gesicherten Hinweise über die Entstehung des Ortes. Das hängt nicht zuletzt mit dem Dorfnamen zusammen. Dieser geht höchstwahrscheinlich auf das alemannische Wort «Villa» zurück, welches «Hof» oder «Weiler» bedeutet.
Insbesondere bei frühen Erwähnungen von Höfen in «Wylen», «Wyla», «Wila» oder «Wille» ist deshalb nicht klar, ob damit jeweils ein Hof in der heutigen Stadt Wil, im Dorf Wilen oder sogar in einem anderen Weiler gemeint war. Denn in der Umgebung von Uzwil, Herisau, Bischofszell, Wängi und anderen Orten gibt es ebenfalls Weiler dieses Namens. In der berühmten «Rothpaldurkunde» aus dem Jahre 754, in der zahlreiche Ortschaften in der weiteren Umgebung erstmals aufgeführt wurden, sind auch «Richinbach» (Rickenbach) und «Wila» erwähnt. Grund genug für die Wilener, sich im Jahre 1954 in den Reigen der Festorte, die ihre 1200-Jahr-Jubiläen feierten, einzugliedern. 50 Jahre später beteiligte sich Wilen nicht mehr an den neuerlichen Feierlichkeiten – dafür die Stadt Wil. Allerdings wissen wir bis heute nicht, ob das damals genannte «Wila» identisch mit dem heutigen Wil oder Wilen ist. In Wilen deutet bis heute nichts darauf hin, dass vor dem 13. Jahrhundert irgendeine Niederlassung bestanden hat.
Erste Erwähnungen von Einzelhöfen in Wilen finden sich ab dem frühen 14. Jahrhundert. So wurde laut Lehensbüchern des Klosters St.Gallen 1302 von einem Hof in Wilen der «Zehnte» eingezogen. Im Hofstattrödel von Wil aus dem Jahre 1308 wurde ein «Eberle von Trungen und Wilen» als Eintreiber genannt. In den folgenden Jahren taucht der Name vereinzelt in Lehensbüchern des Klosters St.Gallen und Magdenau auf. Wegen seiner Lage, fehlender archäologischer Siedlungsfunde und dem Wissen, dass einst ein grosser Teil des heutigen Dorfes bewaldet oder Sumpfgelände war, darf angenommen werden, dass Wilen in früheren Zeiten wohl nur aus wenigen Häusern bestand. In einer Schrift des Gemeindeammanns und Grossrats Joseph Wiesli aus dem Jahre 1825 findet sich einzig der Hinweis, dass hier im Mittelalter ein «Meyerhof» gewesen sein soll, wobei es sich beim Beruf «Meier» um einen Gutsverwalter handelte, der im Auftrag des Grundherrn die Aufsicht über die Bewirtung der Güter innehatte.
Mit der Zeit entstanden wenige weitere Höfe, deren Bewohner Lehensleute der Stadt Wil und des Abtes von St.Gallen waren. Dennoch lag das Dorf ausserhalb der fürstäbtischen Grenzen. Gerichtlich gehörte die kleine Siedlung seit Mitte des 15. Jahrhunderts zum Thurlindengericht (und nicht zum Stadtgericht Wil), was wohl 1803 mit ein Grund war, weshalb das Dorf dem neugeschaffenen Kanton Thurgau angegliedert wurde. Auch die Tatsache, dass Wilen über keine Kirche verfügte, spricht dafür, dass es sich dabei nie um einen grösseren Ort handelte. Die Entwicklung von Wilen zu einem kleinen, aber doch schon zusammenhängenden Ort erfolgte erst in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Zwischen 1700 und 1800 stieg auch die Anzahl Haushaltungen von ca. 20 auf ungefähr 40 an. Und dies, obwohl dem Dorf kriegerische Auseinandersetzungen, in welche die benachbarte Äbtestadt verwickelt war, stark zu schaffen machten: Während des 2. Villmergerkrieges im Jahre 1712 wurde die Stadt Wil von der Höhe der heutigen Weingartenstrasse aus mit Kanonen beschossen. In den damaligen Kriegswirren mussten für die Errichtung von Lagern und Geschossstützen auch einige Holzhäuser weichen. Dies könnte erklären, weshalb bislang nur in einem Gebäude Bausubstanz nachgewiesen werden konnte, die aus der Zeit vor dem 18. Jahrhundert stammt (Egelseestrasse 2b, ca. 1683).
Als im Jahre 1803 die beiden Kantone Thurgau und St.Gallen gegründet wurden, hatte das auch für Wilen Folgen. Die Gemeindeorganisation oblag neu den Bürgergemeinden. Diese wurden nach den Einwohnerzahlen so geschaffen, dass die Siedlungen und wo möglich die Kirchgemeinden beisammen blieben. Wilen bildete zwar zusammen mit Rickenbach eine Thurgauer Munizipalgemeinde, gehörte aber kirchlich nach wie vor zur Kirche St.Peter Wil und damit zum Bistum St.Gallen.
Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts galt Wilen als ein reines Bauerndorf. Das um die Jahrhundertwende aufkommende Stickereigewerbe vermochte dann auch in Wilen Fuss zu fassen und brachte dem Ort kurzfristigen Wohlstand und Bevölkerungswachstum, aber auch neue Probleme in den Bereichen Schule und Strom-/Gas-/Wasserversorgung. Die Einwohnerzahl stieg bis 1910 auf 600 an, stagnierte dann aber bis 1950. Erst die rege Bautätigkeit in den 1950er-Jahren, als zahlreiche neue Einfamilienhäuser sowie ein neues Schulhaus gebaut wurden, hatte einen erneuten Anstieg der Wohnbevölkerung zur Folge. Mitte der 1970er-Jahre zählte das Dorf über 1200 Einwohner. Gleichzeitig begann sich aber auch in Wilen der Trend zu immer kleineren Familien bemerkbar zu machen. Bei der Volkszählung 1980 registrierte man einen Rückgang der Einwohnerzahl. Als «Einfamilienhäuser-Dorf» war Wilen überaltert. Mit dem Bau von Mehrfamilienhäusern zwischen der Dorfstrasse und der Langwiesenstrasse wollte man in den folgenden Jahren dieser Situation entgegenwirken. Mit Erfolg, denn durch zahlreiche Neuzuzüger sowie eine erneute rege Bautätigkeit wuchs die Bevölkerung auf heute rund 2600 Personen an. Im selben Zeitraum siedelten sich auch einige Industrie- und Gewerbebetriebe in Wilen an. Im Zuge der Gemeindereorganisation im Kanton Thurgau erfolgte per 01.01.1998 die Gründung der heutigen Politischen Gemeinde Wilen. Das bestehende Gemeindehaus von Rickenbach-Wilen wurde durch eine Grenzverlegung wieder auf gemeindeeigenen Boden gelegt. Nach wie vor wird das Gebäude durch beide Politische Gemeinden genutzt.
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